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„Er spielt schneller als sein Schatten“

Das Ernst-Abbe-Gymnasium hat einen neuen Flügel

Das Ernst-Abbe-Gymnasium hat einen neuen Flügel. Am Mittwochabend überzeugte Bernd Grill die Besucher des Einweihungskonzerts durch seine Interpretation einiger Klaviervariationen von Beethoven. Das zweistündige Konzert zeigte das überdurchschnittliche Können des Pianisten und die Qualität des Flügels.

Der Oberkochener Bürgermeister Peter Traub brachte es auf den Punkt, indem er verriet, dass hier „zwei gute Stücke zusammenkommen: Herr Grill und der Flügel.“ Der Schulleiter des Ernst-Abbe-Gymnasiums, Hans-Ulrich Wörner, bedankte sich bei der Stadt für den Erwerb des Flügels, der auch auf die Initiative von Bernd Grill erfolgt sei.
Die Investition hat sich gelohnt: Die Vertreter des Rathauses und die rund 100 Zuschauer erlebten einen Konzertabend der Extraklasse.
Grill hat sich nichts Gängiges ausgesucht, er wollte das Besondere, das Wagnis. Drei Monate lang hat er das Programm einstudiert. Wörner bezeichnete Grills Vorhaben als „Mammutprogramm“. Und das war es. Der Interpret schien alles aus dem Flügel zu holen, was herauszuholen ist. Zwei Stunden lang war die Luft des EAG-Forums voller Spannung.  Der Pianist spielte auswendig, ohne Fehler. Das Wagnis war mehr als gelungen.
Beethovens Musik hat eine enorme Spannbreite: Sie weckt leise Erinnerungen, erzählt von Begegnungen der Liebe, auf die der Streit folgt. Sie ist beruhigend und beängstigend zugleich, sie vereint Aggression und Sanftmut: Sie ist ein großes Lied vom Menschen und der Interpret wusste dieses Lied in den sechs ausgewählten Stücken bestens anzustimmen. Der wahrscheinlich anspruchsvollste Teil des Konzerts kam nach der Pause. Die „Diabelli-Variationen C-Dur op. 120“ sind für jeden Pianisten eine besondere Herausforderung. Die zum Spätwerk Beethovens zählenden Variationen machten allein die Hälfte des Abendprogramms aus. Der Wiener Verleger und Klavierpädagoge Anton Diabelli bat im Jahr 1819 verschiedenste Komponisten jeweils eine Variation zu einem von ihm komponierten Walzer beizusteuern. Beethoven wäre nicht Beethoven gewesen, wenn er diesen Auftrag nicht auf seine ganz eigene Weise ausgeführt hätte. Er komponierte daraus ein knapp einstündiges Werk, beseelt vom Ideal, die perfekte Musik zu kreieren. Das Ergebnis beschäftigt Interpreten und Musikwissenschaftler heute noch. Das ganze Spektrum menschlicher Leidenschaften wird abgedeckt: Ernst, Wut, Trauer, Introvertiertheit, Ausgelassenheit und Humor. Diese Gefühle sind groß und der Interpret holt Beethovens Klänge in einer Weise ins Herz der Zuhörer, dass man sich dem Ausnahmekomponisten nahe fühlt. Es mögen zweihundert Jahre vergangen sein, aber die Musik vermag die Brücke zu spannen, weil sie so gegensätzlich wie das Leben ist.  Dieses Werk ist wuchtig und vorsichtig, schnell und langsam, brutal und zart, laut und leise. Es verlangte von Bernd Grill allerhöchste Konzentration, was ihm sein Publikum mit stehendem Applaus und lauten „Bravo“-Rufen dankte. Und so konnten die Zuhörer den Dankesworten des Schulleiters mit ihrem Applaus nur beipflichten: „Herr Grill ist ein Pianist, wie ihn außer uns keine Schule südlich der Mainlinie hat. Seine Finger sind schneller als sein Schatten.“

Bernd Grill am Flügel

Der Interpret Bernd Grill schien alles aus dem Flügel zu holen, was herauszuholen ist. Zwei Stunden lang war die Luft des EAG-Forums voller Spannung.

Gruppenbild am Flügel

Bürgermeister Peter Traub, Pianist Bernd Grill, Kerstin Faisst stellvertretende Schulleiterin und Schulleiter Hans-Ulrich Wörner mit dem neuen Flügel der Schule.



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